Juni 19th, 2011 von admin

Dass österreichische Ordnungshüter darauf aus sind, möglichst viele Motorisierte mit der Kelle von der Straße zu winken, um üppig Kasse zu machen, ist allgemeine Erfahrung. Auf dem Weg durch die reizvolle Alpenrepublik gehört ein anregendes Tete à Tete mit der Polizei eigentlich schon zum Urlaubserlebnis. Zu fürchten ist nicht allein die verbissene Jagd auf Mautsünder – offenbar ein amüsantes Hobby der amtlichen Vignetten-Fahnder, mit dem sie ihren täglichen Dienst ein wenig abwechslungsreicher gestalten wollen. Herumgesprochen hat sich inzwischen: Selbst wenn irrtümlicherweise lediglich wenige Hundert Meter Autobahn befahren wurden, werden das „Pickerl“ (wie niedlich!) plus Strafe fällig. Hat jemand Euro-Mäuse nicht in geforderter Menge bei sich, müssen sie eben beschafft werden. Egal wie, Hauptsache sofort! Aufkommender Stress soll schließlich Teil der Strafe sein und bleiben. Das erklärt wohl auch, warum die sonst so einfallsreichen Mautjäger keinen mobilen Geldautomaten dabei haben.

Es kommt noch dicker. Neuerdings seien Österreichs Polizisten befugt, schon bei bloßem Verdacht, dass jemand eine zulässige Geschwindigkeit überschritten haben könnte, verstörende Strenge walten zu lassen. An Ort und Stelle dürfen sie einen „Sicherheitsbetrag“ in Höhe von genau 1.308 Euro verlangen. Lässt sich der seltsam präzisen Forderung aus Mangel an verfügbaren Scheinen nicht nachkommen, bleibt das Fahrzeug des vermeintlichen Verkehrsrowdies stehen, wo es steht, bis das Geld beschafft worden ist. Diese Ungeheuerlichkeit vermeldete nicht Radio Jerewan, sondern eine wissende Innsbrucker Anwaltskanzlei.

1.308 Euro auf der Stelle berappen für eine bloße Behauptung? – Solcher Schock zerstreut vermutlich jeden Gedanken, wie man wohl auf die seltsame Summe gekommen ist. Wer weiß, vielleicht ist das der mindeste Kostensatz, der bei einem späteren Schlagabtausch vor Gericht anfallen würde. Korrekt, auf den Euro genau, soll es schließlich zugehen, vor allem gegenüber jenen scharenweise Einreisenden von nebenan. Motorisierte, deren Fahrzeuge ein deutsches Kennzeichen haben, erweisen sich schließlich seit Langem als Österreichs einträglichste mobile Geldquelle. Dass das Geld auf der Straße liegt, hat die viel bereiste Alpenrepublik jedenfalls zutiefst verinnerlicht.

Die Listen für den Dienstgebrauch eines Ösi-Polizisten gipfeln nun also darin, dass bei bloßem Verdacht einer Temposünde jener ominöse vierstellige Euro-Betrag eingezogen werden kann. So was Dreistes muss die Fantasie anregen! Es kommen einem komische Gedanken. Und dafür gibt es sogar gute Gründe. Was ist, wenn es sich bei den vermeintlichen österreichischen Ordnungshütern, die am Straßenrand die Hand aufhalten, nicht um echte, sondern um nachgemachte handelt? Plagiate sozusagen. Solcher Verdacht ist heutzutage doch einfach naheliegend. Dann erst recht, wenn man erfährt, dass abgelegte Uniformen der österreichischen Bundespolizei im Internet bei ebay feilgeboten werden. Für ganze fünf Euro pro Stück.

Einem Verärgerten und Gestressten, dessen Fahrzeug soeben von einem Uniformierten mit der Kelle von der österreichischen Urlaubspiste gewinkt wurde, dürfte freilich kaum auffallen, wenn dessen Tuch in seiner „historisch bewährten schlichten Eleganz österreichischer Uniformen“ (O-Ton Österreichisches Innenministerium) einen ältlichen, verwaschenen Eindruck macht.

Was also bleibt? – Fortan ist etwas genauer hinzugucken, wenn man bei der Fahrt durchs wunderschöne Österreich von einer dunkelblau uniformierten Person gestoppt und mit dem Vorwurf konfrontiert wird, man stehe im Verdacht, zu schnell gefahren zu sein.

Die einfältige Willkür, sogar auf Basis „gefühlter“ Temposünden kräftig Kasse zu machen, wird unserem Nachbarland zusätzliche Einnahmen verschaffen, Motortouristen aber zunehmend auch die Lust nehmen, der schönen Alpenregion einen Besuch abzustatten. Warum auch! In Deutschland ist es mindestens genauso schön. Und unsere Polizei einfach freundlicher. (Auto-Reporter.NET/Wolfram Riedel)

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